Bailadores de Bronce. Photo: Hugo Ludeña
Photo: South Park Neighborhood Association
Photo: The Burke Museum

Das Latein-/Hispanoamerikanische Kulturerbe

Nachdem Spanien im 15. und 16. Jahrhundert Mexiko kolonisiert hatte, erhob das Königreich Anspruch auf die gesamte Westküste Nordamerikas, einschließlich des Gebiets des heutigen Staates Washington. Die spanischen Eroberer Joan Perés, Bruno de Hezeta, Manuel Quimper und andere unternahmen ab 1774 zahlreiche Expeditionen in den Nordwesten und nannten die Region analog zum schroffen Nordwesten Spaniens Neugalicien.

Diese Repräsentanten der spanischen Krone waren die ersten Europäer, die die Küste des heutigen Washington vermaßen und mit Indianern Handel trieben. Im Jahre 1792 wurde beim Makah-Stamm an der Neah-Bucht die erste europäische Siedlung auf dem aktuellen Staatsgebiet errichtet und auf den Namen Fort Núñez Gaona getauft.

Spanien zog im Rahmen eines Vertrages von 1819 seine Ansprüche auf den Nordwesten zurück, und das Erbe der spanischen Eroberung, Kartierung und wissenschaftlichen Erforschung wurde längst von späteren britischen und amerikanischen Forschungsreisen in den Schatten gestellt. Dennoch erinnern viele Ortsnamen, die noch heute im Nordwesten Washingtons in Gebrauch sind, an die spanische Eroberung, so etwa die San Juan Islands, die Quimper-Halbinsel, Port Angeles, Fidalgo Island, Camano Island und die Juan-de-Fuca-Straße.

Östlich des Kaskadengebirges spielten mexikanische vaqueros (Kuhhirten) eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Viehzucht und als Maultierbepacker auch in der Bergwerksindustrie. Die noch heute geläufige englische Bezeichnung buckaroo ist eine Verballhornung von vaquero, und diese geschickten Reiter brachten ihr Werkzeug und ihre kulturellen Traditionen aus Texas, Kalifornien und anderen Staaten des Südwestens mit, die noch bis in die 1840er Jahre zu Mexiko gehörten.

Großangelegte Urbarmachungsprojekte im östlichen Washington in der Mitte des 20. Jahrhunderts erhöhten den landwirtschaftlichen Ausstoß an Zuckerrüben, Kartoffeln und anderen arbeitsintensiven Feldfrüchten. Die Bauern im Osten des Staates rekrutierten Landarbeiter zum Beispiel aus dem Rio-Grande-Tal, wo die spanischsprachige Bevölkerung auf der US-Seite der Grenze durch Mexikaner, die vor der Revolution von 1910 flüchteten, stark angeschwollen war.

Während des Zweiten Weltkriegs gestattete das Bracero-Programm Bauern im Yakima Valley und andernorts, Gastarbeiter unmittelbar in Mexiko anzuwerben. Wanderarbeiter kamen zudem aus dem Südwesten der USA, und viele Familien zogen dauerhaft um. Spanischsprachige Gemeinden wurden in dieser Zeit auch in anderen Agrarregionen gegründet oder erweitert, zum Beispiel im mittleren Norden von Washington und im Skagit Valley nördlich von Seattle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen viele Latino-Familien aus den ländlichen Gegenden Washingtons in die verstädterte Puget-Sund-Region, wo sie in der blühenden Nachkriegswirtschaft von Seattle Beschäftigung suchten. Die Ära des Kampfes um Bürgerrechte – im Spanischen El Movimiento genannt – löste auch in der Latino-Bevölkerung großen Aktivismus aus, und viele Bewohner der USA mit mexikanischer Abstammung oder Herkunft betrachteten sich nun politisch als Chicanos oder Chicanas. Aktivisten gründeten Organisationen wie 1968 MEChA (Movimiento Estudiantil Chicana/o de Aztlán) an der University of Washington und 1972 das Gemeindedienstleistungszentrum El Centro de la Raza im Stadtteil Beacon Hill. In Seattle erwuchs aus diesem politischen Aktivismus – wie in vielen Städten an der US-Westküste – eine in der Gemeinschaft verwurzelte Chicano-Kunstbewegung, die sich teilweise vorkolumbischer indigener Motive und Geschichten bediente.

Politische Turbulenzen in Mittel- und Südamerika in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts brachten neue Einwanderer aus Guatemala, El Salvador, Chile, Nicaragua und anderen Ländern nach Seattle, und Kirchen in der Region beteiligten sich aktiv am Sanctuary Movement, um diejenigen zu schützen, die vor Gewalt flohen und im Nordwesten der USA eine neue Existenz aufbauen wollten.

Die Volkszählung von 2010 zeigte, dass über ein Zehntel der Bevölkerung Washingtons hispano- oder andere lateinamerikanische Wurzeln hat und damit die größte Minderheitengruppe im Staat bildet. Die Latino-Gemeinde von Seattle ist bemerkenswert vielfältig, blickt auf eine reichhaltige Geschichte im Nordwesten zurück und pflegt enge kulturelle Verbindungen nach Mexiko und in die zahlreichen Staaten Mittel- und Südamerikas und der Karibik.

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